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«Jetzt will ich einen Punkt machen» – Interview mit Hans Isler
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Nur noch bis am 15. Juli ist er im Amt: Nach acht Jahren als Gemeindepräsident von Meilen tritt Hans Isler (SVP) jetzt altershalber zurück.
Lieblingsplatz Fährelände: Hans Isler bleibt Geschäftsführer der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AGFoto: MAZ
Lieblingsplatz Fährelände: Hans Isler bleibt Geschäftsführer der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AGFoto: MAZ
1998 wurde Hans Isler als Werkvorstand in den Gemeinderat gewählt, 2002 trat er die Nachfolge von Walter Landis als Präsident an. Im Interview erzählt er von Highlights, Niederlagen und Zukunftsplänen.

Hans Isler, Sie waren zwölf Jahre in der Meilemer Exekutive. Wie hat sich das Dorf in dieser Zeit verändert?
Es ist edler und teurer geworden, denn viele Neuzuzüger sind wirtschaftlich auf einem anderen Niveau als der Durchschnitt der «Ureinwohner». Das führt zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur und letztlich auch der Dorfkultur. Wenn ich heute durchs Dorf gehe, gibt es viele Gesichter, die ich nicht kenne, und stelle auch fest, dass mein «Grüezi» manchmal ganz erstaunt hingenommen wird.

Ihnen als Ur-Meilemer war immer wichtig, dass die Gemeinde nicht in der Anonymität versinkt, sondern auch als Begegnungsort funktioniert. Ist das demnach nicht gelungen?
Ich hoffe, dass wir den Prozess der Anonymisierung immerhin verlangsamt haben; mehr kann man nicht erwarten. Meilen ist halt letztlich doch eine Agglomerationsgemeinde im Sog der Stadt Zürich, auch wenn wir das nicht gerne so wahrnehmen.

Hat sich während Ihrer Amtsdauer als Präsident auch das Politisieren in Meilen verändert?
In der ersten Legislaturperiode war der Konkurrenzkampf unter den Parteien noch nicht so ausgeprägt wie heute – bei Auseinandersetzungen ging es vor allem um Sachgeschäfte. Geändert hat sich das, als die CVP vor vier Jahren aus dem Gemeinderat ausschied. Heute gibt es mehr parteipolitisch gefärbte Positionsbezüge. Im Gemeinderat war dies allerdings nicht spürbar. Wir funktionierten als Kollegialbehörde und hatten es auch im zwischenmenschlichen Bereich gut miteinander. Es gab zwar hitzige Diskussionen, aber wenn ein Entscheid gefällt war, standen alle Gemeinderäte ohne Wenn und Aber dahinter. Das war mir immer sehr wichtig.

Weniger erfreulich war das Kapitel «Nucleus», als es mit der Dorfkernplanung und auch mit der Flaniermeile überhaupt nicht so klappte, wie es sich der Gemeinderat vorgestellt hatte. Gerade Sie glaubten stark an das Projekt.
Ja, man ging mit viel Optimismus dahinter. Auch glaubte man, als Behörde alles richtig gemacht, ein Vorgehen gewählt zu haben, das zu einer mehrheitsfähigen Vorlage führten sollte. Es gab mehrere Orientierungsveranstaltungen, ein schrittweises Vorgehen, ein Etappensieg an der Gemeindeversammlung und dann scheiterten wir an der Urne. Es war bis zu einem gewissen Grad eine persönliche Niederlage.

Jetzt tut sich mit dem Projekt «Mezzetino» im Zentrum wieder etwas. Bedauern Sie es, dass Sie ausgerechnet jetzt zurücktreten, wo ein eventuelles Happy End naht?
Für mich war immer klar, dass ich mit 65 aufhöre, das war Bestandteil der Lebensplanung. Ich muss aber zugeben, das leise Gefühl, etwas zu verpassen, hat mich die letzten drei, vier Monate begleitet. Ich hätte an vielem noch gerne mitgewirkt, etwas bewirkt. Aber dann schaltet sich der Kopf ein: Ich habe mich entschieden, das ist jetzt Sache der nachfolgenden Generation.

Was war Ihr persönliches Highlight in der Zeit als Gemeindepräsident?
Ein schwieriges Geschäft, das mich lange begleitete, war die Zukunftssicherung für das Haus Wäckerling in Uetikon. Ich musste als Verwaltungsratspräsident in guten wie in schlechten Zeiten vorne hinstehen, und eine Weile gab es ziemlich schlechte Zeiten. Schon als ich in der Verwaltungsrat der Wäckerlingstiftung eintrat, traf ich eine Baustelle an. Dass jetzt eine gute, zukunftsgerichtete Lösung da ist, betrachte ich schon als Highlight: Die Bezirksgemeinden und die Gemeinde Meilen sind ein latentes Problem losgeworden. Und dazu kommen natürlich viele kleine, persönliche Sachen. So habe ich alle Einwohner besucht, die älter als 95-jährig wurden. Was ich da manchmal erlebte an Lebensfreude und -klugheit, das war eine richtige Lebensschule.

Werden Sie sich in Meilen auch in Zukunft engagieren?
Ich gehöre nicht zu jenen Alt-Gemeindepräsidenten, die noch «Ämtchen» behalten wollen, ich will lieber einen Punkt machen, deshalb habe ich gesagt: Ein Jahr lang nichts. Mal sehen, wie mir das gefällt. Auf jeden Fall freue ich mich auf die zusätzliche freie Zeit an den Abenden, dass ich über meine Agenda verfügen kann und zum Beispiel nicht zwischen zwei Terminen eine Mountainbike-Runde einklemmen muss, damit ich überhaupt noch zum Sport komme. Auch lese ich sehr gerne. Ich habe Berge von Büchern zu Hause. Ich kaufe immer Bücher und vergesse, dass ich gar keine Zeit zum Lesen habe.

Werden Sie weiterhin die Gemeindeversammlungen besuchen?
Ja, natürlich. Aber ich sitze dabei nicht in der ersten Reihe, und es gehört sich meiner Meinung nach auch nicht, dass man als ehemaliges Behördenmitglied in die Diskussion eingreift. Meine Ansichten werde ich nur noch im kleinen Kreis zum Ausdruck bringen.

Wo sehen Sie in der kommenden Amtsperiode für Ihren Nachfolger Christoph Hiller wichtige Baustellen?
Die ganze Zentrumsentwicklung ist zentral und bleibt ein politisch heisses Geschäft. Mit einem Gemeindehausanbau und einem Parking ist es ja noch nicht getan. Auch im westlichen Teil muss die Entwicklung weitergehen. Weitere Knacknüsse sind die Frage der Pflegefinanzierung – das kostet vermutlich mehr Geld als man dachte –, der kantonale Finanzausgleich, die anstehenden Investitionen im Umfang von 50 bis 80 Millionen. Es könnte einige finanzpolitische Diskussionen geben, was wir in den letzten acht Jahren weniger hatten.

Was raten Sie demnach dem zukünftigen Gemeindepräsidenten?
Christoph Hiller vertritt ähnliche bürgerlich-liberale Werte wie ich und ist auch in Meilen aufgewachsen. Und er ist ein Typ, der auf Konsens aus ist und keine Lösungen mit der Brechstange sucht, was ich sehr gut finde. Ich würde Christoph sagen: Es braucht für so ein Amt Robustheit, und die kann sich noch erweitern, wenn sie trainiert wird, denn kritisiert zu werden gehört in einer Demokratie einfach dazu. Ich wurde im Verlaufe der Zeit nicht dünnhäutiger, sondern gelassener. Ich wünsche ihm, dass er nach seiner Amtszeit auch sagen kann: Ich war gerne Gemeindepräsident.
Quelle: Meilener Anzeiger
www.meileneranzeiger.ch
Ort: 8706 Meilen
Datum: 02.07.2010
Rubrik: Politik
 
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